Antrag Ortsverein SPD Barth
zur Einbringung beim Landesparteitag des Landesverbandes Mecklenburg-Vorpommern
Der Landesparteitag möge beschließen
1.Die Gymnasial-Lehrpläne sind der verringerten 8-jährigen Gymnasialzeit anzupassen
2. Die geltenden Zulassungsbedingungen für die Zulassung zum Gymnasium sind zu prüfen
Begründung
Seit 2006 gibt es in Mecklenburg-Vorpommern das Abitur nach 8 Jahren. Seitdem gab es keine nennenswerten Veränderungen im Lehrplan. Den Kindern und Jugendlichen wird zugemutet, den vorher in 9 Jahren vermittelten Stoff nun, nicht nennenswert abgeändert, in 8 Jahren zu bewältigen.
Gewerkschaften kämpfen für die 35Stunden –Woche.
Unsere Gymnasiasten haben spätestens ab der 10.Klasse 36 Wochenstunden. Nimmt man bei den meisten Schülern noch die Fahrzeit und die, von Lehrern geforderten 2 Stunden Hausarbeit dazu, kommen sie sehr oft auf eine „Wochenarbeitszeit“ von 50 Stunden und mehr. Da bleibt kaum noch Zeit und Lust für außerschulische Betätigung.
Unser Grundgesetz sagt aus, dass die Durchlässigkeit der Schulsysteme zwecks Chancengleichheit gewährleistet sein muß. Zum Problem wird dies in unserem Bundesland dadurch, dass Lehrkräfte Unterrichtsstoffe der 11.und 12. Klasse in die 10.Klasse vorziehen, da er sonst in 2 Jahren nicht zu bewältigen ist.
Damit ist nicht mehr gegeben, dass Schüler auch noch zur 11.Klasse zum Gymnasium wechseln.
Nach unten funktioniert diese Durchlässigkeit, nicht aber nach oben.
Unsere Lehrpläne müssen moderner werden, dem Alltag angepaßter. Nicht umsonst gibt es im Internet Diskussionen von Schülern und Lehrern, die die jetzigen Pläne kritisieren. Es wird viel gelehrt, „weil es schon immer so war“. Die Bücher sind zum Teil mehr als 10,15 Jahre alt, ohne nennenswerte Veränderungen in der 23.Auflage. Notwendiges Alltagswissen läßt sich in Pläne „verpacken“, kann per PC vermittelt werden.
Gleichzeitig sollte geprüft werden, ob es tatsächlich sinnvoll ist, die Entscheidung für das Gymnasium fast allein den Eltern zu überlassen. Die Empfehlung der Regionalschullehrer ist eben „nur“ eine Empfehlung. Auch das Probehalbjahr ist nicht das Non-plus-ultra. Schüler verlassen sehr selten das Gymnasium nach diesen 6 Monaten. Wie sagte ein Lehrer:“Die Kinder werden ein halbes Jahr gestreichelt, damit sie bleiben. Erst danach geht es voll los!“
Es geht schließlich in vielen Fällen um den Erhalt des Schulstandortes und der Arbeitsplätze.
(In Mecklenburg-Vorpommern gehen mehr als 50% der Kinder auf das Gymnasium, in Bayern nur 39%).
Durch diese Praxis gehen viele Kinder aufs Gymnasium, welche gute und sehr gute Regionalschüler wären, aber hier massive Probleme haben. Nicht nur viele „Wiederholer“, sondern auch viele vorzeitige Abbrecher sind vorprogrammiert. Genaue Zahlen dazu liegen uns leider nicht vor.
Sinn und Zweck ist es ja auch, dass die Abiturienten anschließend zum Studium gehen, nicht zuletzt, um ihre längere schulische Ausbildung zu rechtfertigen. Durch die vielen Abiturienten, die auf den Ausbildungsmarkt drängen, haben Regionalschüler bei vielen Berufen das Nachsehen.
Wir denken, unsere Kinder müssen umfassend gebildet die Schulen verlassen- aber nicht um den Preis, dass sie des Lernens überdrüssig sind.