SPD-Bundestagsfraktion im Dialog - "Landwirtschaft: Alles in Butter?"

Veröffentlicht am 24.11.2019 in Allgemein

Zahlreiche Landwirte, Schäfer, der Biologe und Naturschützer Prof. Dr. Michael Succow, viele Interessierte aus Barth und aus dem gesamten Landkreis waren ins Barther Bibelzentrum gekommen, um gemeinsam mit Sonja Steffen, MdB, Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus, Rainer Spiering, MdB und Sprecher im Bundestagsausschuss für Ernährung und Landwirtschaft, sowie Claudia Resthöft, Biolandwirtin aus Elmenhorst bei Stralsund, Probleme zu diskutieren, Lösungsansätze zur Sprache zu bringen und Missverständnisse auszuräumen.

Minister Dr. Till Backhaus gab einen kurzen Abriss über die Erfolge der vergangenen Jahre, die noch zu lösenden Probleme und anstehende Veränderungen.

So ist es sein Bestreben, die noch im Bundesbesitz befindlichen ca. 50.000 ha Forst- und Ackerflächen als Land zurück zu kaufen, um weiteren Spekulationen vorzubeugen und diese Flächen dann ökologisch sinnvoll zu nutzen. Dass nach 1990 ungefähr 375.000 ha Boden privatisiert wurden, sieht Till Backhaus nach wie vor als großen Fehler an.

Wichtige Sätze des heutigen Abends waren: “Die Landwirtschaft ist der wichtigste Wirtschaftszweig - alle haben satt zu essen! Aber nur noch 2% der Menschen haben in der Landwirtschaft zu tun. Deshalb gibt es zu wenig Bezug dazu!“

 

 

Rainer Spiering kritisierte die bisherige Verteilung der Agrarsubventionen. Diese müssen anders verteilt werden. Weiterhin muss die Diskrepanz zwischen Landwirtschaft und Verbrauchern „gekittet“ werden. Gerade im Osten ist vieles besser als im Westen, angefangen bei den Nitrat-Werten im Grundwasser bis zu bedeutend weniger Massentierhaltung. In MV gibt es bereits fast 13% Ökolandbau. Das ist natürlich steigerungsfähig und nötig. Moore dürfen nicht weiter trockengelegt werden. Sie sind wichtige CO²- Speicher

 

Claudia Resthöft gab einen kurzen Abriss zur Geschichte ihres Demeter-Hofes „Alter Pfarrhof“ in Elmenhorst und äußerte ihre Wünsche für die Zukunft.

Die anschließende Diskussion war sehr rege und oft emotional. Die Landwirte, Schäfer, aber auch Prof. Dr. Michael Succow legten ihre Probleme und Auffassungen dar.

Es ging um Agrarsubventionen für Bienenweiden, welche eine zeitraubende und umständliche Bürokratiehürde darstellen, so dass ein Landwirt dies nun ohne Förderung tut.

Ein Schäfer bemängelte die fehlende Mutterschafprämie und den kostenintensiven Schutz vor Wölfen. Er fragte wie er das finanzieren soll bei seinem umgerechneten Stundenlohn weit unter dem gesetzlichen Mindestlohn.

Der Bio-Landwirt vom Schaalsee mahnte mit scharfen Worten einen strengeren Naturschutz an, um „alte Lebewesen, die schon vor 150 Jahren hier lebten“ zu erhalten, denn z.Zt. ist es oft nicht mehr möglich, dass diese sich reproduzieren, weil Populationen nicht mehr zusammenkommen.

So vielfältig wie die Anwesenden an diesem Abend waren die Punkte, welche angesprochen wurden. Zum Abschluss dieser gelungenen Veranstaltung gab es einen sehr emotionalen Appell der hiesigen Landwirte an die Bundestagsabgeordneten und die Übergabe eines Präsentkorbes mit hier produzierten Lebensmitteln. Dieser beinhaltete neben Kartoffeln, Saft uvm. auch eine Petition mit den Problemen der Landwirte hier vor Ort, mit der inständigen Bitte, diese Petition zu lesen und die Punkte mit in die Bundes- und Landespolitik einfließen zu lassen.